Goya y Lucientes

Goya y Lucientes
Goya y Lucientes
 
['goja i lu'θientes], Francisco José de, spanischer Maler, Radierer und Lithograph, * Fuendetodos (bei Saragossa) 30. 3. 1746, ✝ Bordeaux 16. 4. 1828; beteiligte sich 1763 und 1766 in Madrid erfolglos an Wettbewerben der Academia de San Fernando. 1770/71 hielt er sich in Italien auf. Nach seiner Rückkehr erhielt er den ersten Freskoauftrag, die Kuppelausmalung der Wallfahrtskirche Nuestra Señora del Pilar in Saragossa. 1774 übersiedelte er nach Madrid, wo er ab 1775 für die königliche Teppichmanufaktur tätig war; bis 1791 entwarf er für sie 63 Kartons. 1786 erhielt er den Status »Maler des Königs« (spanisch pintor del Rey), 1789 wurde er von Karl IV. zum Hofmaler, 1799 zum Ersten Hofmaler ernannt. Infolge einer schweren Erkrankung (1792) verlor Goya y Lucientes sein Gehör. 1795 wurde er zum Ersten Direktor der Academia de San Fernando in Madrid gewählt. 1798 führte er die Fresken in der Kirche San Antonio de la Florida in Madrid aus. 1819-23 malte er das von ihm erworbene Landhaus bei Madrid (Quinta del sordo, »Haus des Tauben«) mit einem Zyklus visionärer Bilder von hintergründiger, spukhafter Fantastik in vornehmlich düsteren Farben aus (»Pinturas negras«, u. a. »Saturn verschlingt eins seiner Kinder«, um 1821-23; heute Madrid, Prado). Dem bedrückenden politischen Klima nach der Machtübernahme Ferdinands VII. entzog sich Goya y Lucientes 1824 durch seine Emigration nach Bordeaux.
 
Goya y Lucientes' Porträts und Genrebilder stellen Höhepunkte der europäischen Malerei seiner Zeit dar. Er gab mit seinem umfassenden Œuvre der modernen Kunst wichtige Anregungen. Zu Beginn orientierte er sich an den Werken G. Tiepolos, R. Mengs' und D. Velázquez'. Seine Genreszenen aus dem spanischen Volksleben (u. a. die Teppichkartons) sind geprägt vom heiteren Geist des Rokoko (»Der Sonnenschirm«, 1777; Madrid, Prado). Nachdem er sich Anfang der 1790er-Jahre von der Steifheit der konventionellen Porträtmalerei gelöst hatte, charakterisierte er die Dargestellten mit schonungsloser Offenheit, die bis an die Grenze der Karikatur reichte (»Karl IV. und seine Familie«, 1800; Madrid, Prado). Die engagierte Anteilnahme an Zeitereignissen führte zu einer unverhüllten, ausdruckgeladenen Darstellung (»Die Erschießung der Aufständischen am 3. Mai 1808«, 1814; ebenda). Goya y Lucientes war einer der größten Koloristen seiner Epoche; in seinem Spätwerk gelangte er zu einer impressionistisch wirkenden Malweise (»Milchmädchen von Bordeaux«, 1827; ebenda). Seine grafischen Werke sind seiner Malerei ebenbürtig. Die Radier- und Aquatintafolgen »Los Caprichos« (1797/98, 1799 veröffentlicht), »Los Desastres de la guerra« (um 1808-14, erstmals 1863 veröffentlicht), »La Tauromaquia« (1815/16), »Disparates« (auch »Proverbios«, zwischen 1815 und 1824), seine Zeichnungen und Lithographien reflektieren kritisch soziale, kirchliche und politische Missstände der Zeit. Goya y Lucientes erweiterte in ihnen die bekannten technischen Mittel der Grafik beträchtlich, um die Intensität des Ausdrucks zu steigern.
 
Weitere Werke: Die Familie des Herzogs von Osuna (1788; Madrid, Prado); Karnevalsszenen (auch Das Begräbnis der Sardine, 1793; Madrid, Academia de San Fernando); Porträt der Herzogin von Alba (1797; New York, Hispanic Society of America); Die bekleidete Maja und Die nackte Maja (beide 1797; Madrid, Prado); Der Koloß (auch Die Panik, um 1808-12; ebenda); Selbstbildnis (1815; ebenda).
 
 
J. M. Gudiol Ricart: G., 1746-1828, 4 Bde. (Barcelona 1970);
 P. Gassier u. J. Wilson: F. G., Leben u. Werk (a. d. Frz. u. Engl., 1971);
 J. Held: Die Genrebilder der Madrider Teppichmanufaktur u. die Anfänge G.s (1972);
 J. Held: F. de G. (23.-24. Tsd. 1995);
 P. Gassier: F. G., die Skizzenbücher (a. d. Frz., 1973);
 P. Gassier: F. de G., die Zeichnungen (a. d. Frz., 1975);
 P. Gassier: F. de G. (a. d. Frz., 1983);
 W. Messerer: F. G. Form u. Gehalt seiner Kunst (1983);
 O. Bihalji-Merin u. M. Seidel: G. Glanz u. Macht. Die Schrecken des Krieges (1985);
 F. Licht: G. Beginn der modernen Malerei (1985);
 G. Volland: Männermacht u. Frauenopfer. Sexualität u. Gewalt bei G. (1993);
 
G. Neue Forschungen. Das internat. Symposium 1991 in Osnabrück, hg. v. J. Held (1994);
 J. Berger u. N. Bielski: F. G. - das letzte Porträt (a. d. Engl., 1995);
 S. Dittberner: Traum u. Trauma vom Schlaf der Vernunft. Spanien zw. Tradition u. Moderne u. die Gegenwelt F. G.s (1995);
 
G. Das druckgraph. Werk, bearb. v. A. E. Pérez Sánchez u. J. Gállego (a. d. Span., 1995).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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